Unser Posaunenchor wird 50 Jahre: 15. Oktober 2006

Grußwort der Gemeinde:

Beim Maibaum, bei Geburtstagen, zu feierlichen Gottesdiensten, Konfirmationen, Jubelkonfirmationen, Jubiläen – immer ist unser Posaunenchor mit zur Stelle.
Die Bläserinnen und Bläser verleihen mit ihrer Musik den Veranstaltungen einen festlichen Rahmen.
50 Jahre besteht der Chor in diesen Tagen. Am Kirchweihfest 1956 wurde er gegründet.
Das ist für uns Anlass zur Feier:
„Lobet Gott mit Posaunen!“ – 
In einem Festgottesdienst am 15.10.2006 werden wir das runde Jubiläum begehen. 

Posaune, Horn, Trompete – die Blasinstrumente sind sehr vielseitig einsetzbar. Schon im Alten Israel diente das Schofarhorn (schofar = Trompete, Posaune) als ein Signalinstrument, 
um die Leute zusammen zu rufen.
Auch heute rufen die Bläser noch zum Gottesdienst, besonders bei den Konfirmationen.
Bei öffentlichen Veranstaltungen, wenn sich das ganze Dorf versammelt hat, tun die Bläser ihren Dienst.

 Im Gottesdienst freilich ist ihr eigentlicher Einsatzort. Zum Lobe Gottes erklingt ihr Instrument, weil es mit seinem eindringlichen Klang uns berührt und dem Fest einen besonderen Glanz verleiht. So war es auch schon seit alten Zeiten üblich – die Posaune ist seit dem alten Israel untrennbar verbunden gewesen mit dem Lob Gottes, 
so wie es im Psalmvers heißt: Lobet Gott mit Posaunen! (Ps 150,3).

 Zu privaten Anlässen überbringt unser Posaunenchor musikalische Segenswünsche.
Unserer Totenfeier am Ewigkeitssonntag auf dem Friedhof verleiht er eine besondere Stimmung. Der Klang der letzten Posaune ist in biblischen Texten Zeichen für die Ewigkeit und die Auferstehung von den Toten. So erfreut uns der Klang der Posaunen nicht nur im hier und jetzt, er gibt uns auch einen Vorgeschmack auf die erlöste Welt.

 In Freud und Leid begleitet uns der Klang der Posaunen durch die Zeit.
Möge er auch in Zukunft zur Verkündigung seinen Beitrag leisten –
vor allem auch dort, wo Worte nicht hinreichen.

 Es folgt ein zeitlicher Abriss der Posaunenchorgeschichte:


Die Kirchenverwaltung Köditz hat in ihrer Sitzung vom 20.10.55 folgenden Beschluss gefasst:
Aus der
Jungen Gemeinde Köditz (Burschenkreis) wird immer wieder der Wunsch laut nach einer Gründung eines Posaunenchors. Es haben sich Jungen im Alter von 15-17 Jahren und auch einige ältere Gemeindeglieder (28-30 Jahre alt) bereit erklärt, bei einem solchen Chor mitzumachen. Der Anfang soll gemacht werden mit einem Doppelquartett, obwohl eine wesentlich größere Zahl von Jungen zur Teilnahme sich bereit erklärt hat. Die Ausbildung und Leitung des Chores übernimmt ein Bruder aus der Christusbruderschaft Selbitz.“

 Diese Worte schreibt Pfr. Paul Obermeyer im November 1955 an den Landeskirchenrat nach München. Nachdem es bereits in den letzten Kriegsjahren eine Gruppe von Bläsern gegeben hatte, die sogar nach dem Krieg einen Chor gründeten, der sich aber wieder verlief, begann das ernsthafte Bestreben nach Gründung eines Chores im Jahr 1955. Zunächst musste eine ausreichende Anzahl an Instrumenten besorgt werden. Einige waren schon vorhanden, für einen Chor waren sie aber nicht ausreichend.

Pfr. Obermeyer bittet die Landeskirche und den Posaunenchorverband um finanzielle Unterstützung. Ein Großteil der Gaben für die Anschaffung der Instrumente kam aber aus der Gemeinde selbst. 
An den Posaunenchorverband schreibt er u.a.
Nach der Ernte werden unsere Burschen dann eine Haussammlung unternehmen.“

Nach erfolgreicher Sammlung wurden Ende August 1956 Instrumente bei der Firma Riedle in Nürnberg bestellt. Im Oktober stand dem Beginn des Probens nichts mehr im Wege: „Am Kirchweihsonntag konnten im Gottesdienst die 10 Instrumente, die mit einem Kostenaufwand von 2100,- DM angeschafft worden sind, den jungen Bläsern übergeben werden.“ In der Pfarrchronik heißt es weiter: „Nun geht das feste Üben an. Hoffentlich halten die Jungen treu und fein durch.“

In diesen Worten steckt eine Befürchtung, die sich im nächsten halben Jahr dann auch bewahrheitet hat. Bis zum ersten offiziellen Auftritt im Frühjahr 1958 wandelte sich die Zusammensetzung des Chores. Dennoch gibt es genügend engagierte Bläser. „Am 28. April trat unser Posaunenchor mit 15 Bläsern unter der Leitung von Bruder Franz anl. der Konfirmation zum 1. Mal vor die Gemeinde. Dann wieder im Gottesdienst anl. des Jugendsonntags am 26. Mai. Er gestaltete mit den Gemeindejugendabend, der von fast 280 Leuten besucht war. Bei der Goldenen Konfirmation blies er vor dem Gottesdienst und im Gottesdienst.“ Schon hier wird die in Köditz eigentümliche Tradition des Blasens 
vor dem Gottesdienst begründet, die bis heute gepflegt wird.

 Im Rückblick auf die Entstehung des Chores zeigt sich also ein einhalbjähriger Gründungszeitraum von Herbst 1955 bis Frühjahr 1957. Wenn wir darin einen Gründungszeitpunkt suchen, dann ist sicherlich die Übergabe der Instrumente der geeignete, weil ab diesem Zeitpunkt ein Chor zum Üben zusammenkam. So bleibt das Datum der Gründung unseres Chores mit unserem Kirchweihtag im Oktober 1956 verbunden.

 Die hohe Bedeutung des Chores im Gemeindeleben kann daran abgelesen werden, dass sich in der Pfarrchronik für die Jahre 1956 und 1957 keine weiteren Einträge über andere Gemeindekreise finden. Pfr. Obermeyer warb auch in den kommenden Jahren um finanzielle Unterstützung – jetzt für die Notenbeschaffung. In einem Brief an den damaligen Landesjugendpfarrer Krusche schreibt er für den Chor werbend: „Vor einiger Zeit hat Kirchenmusikdirektor Schlee unseren Chor besucht und sich sehr befriedigt ausgesprochen über die Arbeit, die in ihm geleistet wird. Ich selber habe immer wieder herzliche Freude daran. Die Jungen sind vor eine für sie nicht ganz leichte Aufgabe gestellt. Der Chor übt jeden Samstag von 20 Uhr ab. Es besagt wohl viel, wenn die Jungen gerade an einem Samstag regelmäßig zum Üben kommen. So bitte ich herzlich eine Zuschussbewilligung zu erwägen.“

Die Gemeinschaft im Chor wurde in den kommenden Jahren ausgebaut. Auch die Ausbildung der Bläser ging voran. Eindrücklich blieben vielen Bläsern die Landesposaunentage oder Teilnahmen an Kirchentagen.
       
Landesposaunentag 1982 in Kulmbach          und          Euroregionaler Kirchentag 2006 in Cheb

Im Jahr 1962 nahmen Heinrich Sinterhauf und Martin Greim an einem Chorleiterlehrgang teil.

Immer wieder gibt es seit der Anfangszeit „mancherlei Wechsel durch Eintritte in die Bundeswehr und Fortzug.“
Hier handelt es sich um ein Problem, das bis heute nicht nur die Situation des Posaunenchores,
sondern die Jugendarbeit in Kirche und Vereinen allgemein betrifft.

Daher ist es um so erfreulicher, dass immer wieder neu junge Menschen zum Blasen ermutigt wurden.
Heute hat der Chor eine gute Altersmischung.
Zwei Jungbläserinnen, aktive Jugendliche und junge Erwachsene,
ältere Aktive und tatsächlich noch ein aktiver „junger Bursche“ von einst.  

Ein Chor kann nicht ohne einen Chorleiter sein. Seit seiner Gründung waren es in Köditz drei.
     
Bruder Franz beim 40. Jubiläum 1996             Edi Taucher mit Chor beim alljährlichen Maibaumaufstellen

Zunächst übernahm die Leitung Bruder Franz von der Christusbruderschaft in Selbitz.
Er war den Köditzern kein unbekannter und leistete mit viel Engagement die wertvolle Aufbauarbeit in den ersten 6 Jahren.
Heinrich Sinterhauf folgte ihm in den kommenden Jahren, doch mangelte es bald an Bläsern.
So war es schließlich Edi Taucher, der ab 1966 die Leitung übernahm und die Arbeit des Chores weiter führte, zunächst mit wenig Resonanz.
Ab 1976 kam es dann zu einer Belebung des Chores, an dem maßgeblich die Jugendarbeit von Pfr. Hühnlein Anteil hatte.
 
Insgesamt vierzig Jahre lang leitete Edi Taucher den Posaunenchor 
in wöchentlichen Proben und vielen Auftritten.
Untrennbar bleibt sein Name auch nach seinem Ausscheiden
als Chorleiter mit dem Köditzer Posaunenchor verbunden.
In den vielen Jahren hat er um die 100 Jungbläser angelernt 
und den Chor mit großer Zuverlässigkeit geleitet.

Posaunenchorrüstzeit
in Dresden mit Platzkonzert an der Frauenkirche

 In diesem Jahr blicken wir gerade auch seinetwegen dankbar zurück
auf die fünfzig Jahre Posaunenchorarbeit in Köditz.
Noch immer ist der Chor eine Bereicherung für unsere Gemeinde,
unsere Gottesdienste und das Leben in unserem Dorf.
Möge ihm darum eine segensreiche Zukunft beschieden sein.

(verfasst von Michael Grell, Pfarrer z.A.)